Frieden im Chaos

Da ich wusste, dass ich über Frieden schreiben würde, habe ich schon vor Monaten begonnen, über dieses Thema nachzudenken. Ich habe Predigten gehört, Kommentare gelesen und natürlich die Stellen in der Heiligen Schrift durchgesehen, in denen davon die Rede ist, Frieden zu finden. Es war wohl unklug, mich gerade in der vielleicht chaotischsten Zeit des Jahres, beginnend mit dem amerikanischen Erntedankfest und bis in den Dezember hinein, hinzusetzen, um ernsthaft mit dem Artikel zu beginnen. Was habe ich mir nur dabei gedacht?

Ich habe keine großartige Erkenntnis darüber, wie man Frieden findet; mein Leben ist genauso chaotisch wie das eines jeden anderen Menschen. Indem ich mich jedoch auf den Frieden konzentriert habe, ist mir bewusst geworden, wann ich mich am friedlichsten fühle und, im Gegensatz dazu, wann ich mich am wenigsten friedlich fühle.

Beim Lesen der Bibelstellen, die sich mit dem Frieden befassen, kam ich immer wieder auf zwei bestimmte Passagen zurück. Die erste ist Johannes 14, die andere Philipper 4.

In Johannes 14 sagt Jesus seinen Jüngern, dass er sie verlassen werde, sie aber „ihr Herz nicht beunruhigen“ sollten, da er ihnen seinen Frieden hinterlasse. Dies ist kein Frieden, wie ihn die Welt kennt, sondern etwas, das ihm eigen ist. Er sagt ihnen, dass das Gegenmittel gegen Sorgen und Ängste – gegen ein beunruhigtes Herz – darin besteht, an ihn zu glauben. Frieden ist nichts, wonach man streben und was man finden muss; er ist das Ergebnis unseres Glaubens.

Wenn wir heute nach Frieden suchen, vergessen wir die Art von Frieden, die uns bereits angeboten wird. Wie schon immer will die Macht der Finsternis, die diese Welt beherrscht, uns auf eine aussichtslose Suche schicken, auf der wir an all den Orten nach Frieden suchen, an denen Satan uns verspricht, ihn zu finden. Doch dort ist er nicht zu finden; das kann er gar nicht sein. Er ist nur in Ihm zu finden. Es wird dabei überdeutlich: Ein Leben ohne Frieden ist im Grunde ein Leben ohne Gott.

Es ist interessant – und keineswegs ein Zufall –, dass die Bibel mit einer Vision des Friedens beginnt und endet. Im Garten Eden lebten die Menschen und Gott in Frieden miteinander. Adam und Eva waren wohl damit beschäftigt, den Garten und die Tiere zu pflegen, über die Gott ihnen die Herrschaft gegeben hatte. Es scheint, dass es nichts Ungewöhnliches war, wenn Gott am Abend kam, um im Garten spazieren zu gehen. Ich weiß nicht, ob wir uns diese Art von Frieden überhaupt vorstellen können – er ist ein Ergebnis der Gegenwart Gottes selbst. Doch dieser Frieden wurde zerstört, als Satan hereinkam und Eva Gottes Weisheit und Autorität in Frage stellte.

Seit diesem Zeitpunkt ist die Sünde der Störer des Friedens – nicht des Friedens im Sinne von Abwesenheit von Krieg, obwohl auch das eine Rolle spielt. Es handelt sich vielmehr um das Ende des Friedens des Menschen mit Gott. Es beginnt damit, dass Adam und Eva mehr wollten – mehr, als ihnen gegeben worden war –, und es endet damit, dass die gesamte Menschheit von Gott getrennt wurde. Sie verspielten ihren Frieden für ein Versprechen, das Satan gab, aber niemals einzuhalten beabsichtigte. Er wollte lediglich ihr friedliches Dasein zerstören. Und in gewisser Weise ist ihm das gelungen. Gott jedoch offenbart durch die Propheten und im Laufe der Jahrhunderte seinen großartigen Plan, den Frieden zwischen sich und der Menschheit wiederherzustellen.


Mit der Geburt des Messias verkünden die Engel die Ankunft von „Frieden und Wohlwollen“ sowie „guter Botschaft“ auf der Erde (Lukas 2). Das ist der Friede, den Gott der Welt schenkt – Christus ist gekommen.

Wir haben die Möglichkeit, Seinen Frieden zu erlangen, doch außerhalb einer Beziehung zu Ihm werden wir ihn nicht finden. Und doch suchen Christen wie Nichtchristen gleichermaßen nach Dingen dieser Welt, die ihnen Frieden bringen sollen.

Ein Ort, an dem die westliche Welt nach Frieden sucht, ist die moderne Medizin. Ich möchte den Einsatz von Medikamenten bei Bedarf keineswegs herabsetzen; doch Krankheit kann zu einer eigenen Epidemie werden, ganz zu schweigen davon, dass sie uns unseren Frieden raubt. Ich bin immer wieder verblüfft, wenn ich in die USA komme und sehe, wie viele Werbungen es für Medikamente gibt. In Europa sieht man das nicht, daher ist es immer wieder ein Schock für mich. Im wohlhabendsten Land der Welt werden uns Botschaften vermittelt, dass uns etwas fehlt – dass wir Medikamente brauchen, um einen Mangel an Konzentration, Freude oder Motivation auszugleichen. Und wie Adam und Eva beginnen wir, an dem zu zweifeln, was wir haben, und suchen nach etwas Besserem – doch das gibt es nicht, und wir bleiben voller Angst und Unsicherheit zurück.

Ich frage mich, ob die Besessenheit von Medikamenten aus der Angst vor dem Tod rührt. Unser Leben kann außer Kontrolle geraten, wenn wir von einer Arztpraxis zur nächsten eilen und versuchen, eine Diagnose zu bekommen, die unserer Sichtweise entspricht. Ich habe christliche Frauen kennengelernt, die mit mehr Autorität über Medikamente sprechen als über die Heilige Schrift. Was tun wir da eigentlich? Haben wir vergessen, dass diese Welt nicht unsere Heimat ist? Sind wir so sehr an die Dinge dieses Lebens gebunden, dass wir vergessen haben, dass der Tod keine Macht über uns hat? Warum sollten wir uns Sorgen um etwas machen, das A.) unvermeidlich ist und B.) ein Gewinn für uns ist … wenn wir das wirklich glauben? Da gibt es Raum für Selbstreflexion!

Meine Damen, unser innerer Frieden wird uns nicht so sehr geraubt, als dass wir ihn vielmehr selbst verschenken. Indem wir Satan Einlass in unsere Häuser, unseren Verstand und unsere Herzen gewähren, geben wir freiwillig das auf, was Jesus uns hinterlassen hat.

Wir haben so viel, dass wir uns zu Tode langweilen und nach neuen Abenteuern und grüneren Weiden suchen. Kürzlich fragte mich jemand, was ich gerne mache, wenn mir langweilig ist. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, wie ich darauf antworten sollte. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich mich das letzte Mal gelangweilt habe. Nun bin ich im Allgemeinen ein langweiliger Mensch, also war diese Frage vielleicht an die falsche Person gerichtet, aber noch einmal: Wir haben so viel, so viel Freizeit und so viele entbehrliche Ressourcen, dass uns die Segnungen, die wir haben, langweilen und wir undankbar werden – unzufrieden – und Unruhe in unseren Herzen verspüren. Wir glauben, dass uns etwas fehlt, und das tut es auch … uns fehlen die Gaben der geistlichen Welt, die uns jetzt gegeben werden, wie Frieden und Freude.

Als Israel Ägypten verließ, waren sie bereits drei Tage – drei Tage – in der Wüste unterwegs, bevor sie anfingen, sich zu beschweren, Mose habe sie herausgeführt, um dort zu sterben. Drei Tage, seit sie auf trockenem Boden durch das Rote Meer gewandert waren. Drei Tage, in denen sie nachts die Feuersäule und tagsüber die Wolke sahen und ihr folgten. Drei Tage. Also reinigte Gott das Wasser in Mara und führte sie nach Elim, wo sie schon nach wenigen Wochen wieder Hunger hatten und murrten. Da sandte Gott ihnen Manna. Ihnen wurde gesagt, sie sollten nur so viel nehmen, wie sie für jeden Tag brauchten. Und obwohl einige Manna horteten, verfaulte es und verdarb, sodass sie gezwungen waren, sich täglich auf Gott zu verlassen. Aber ihnen wurde es langweilig. Manna reichte ihnen nicht. Sie wollten mehr. Ich bin mir sicher, dass sie unruhig waren.

Ich bin mir sicher, dass sie Angst hatten. Vor allem aber waren sie unzufrieden und es fehlte ihnen an Dankbarkeit und Freude. Das Leben in der Wüste war zu hart, und viele fingen an, davon zu sprechen, einfach nach Ägypten zurückzukehren – zurück in die Sklaverei; denn obwohl es dort keineswegs ein friedliches Leben war, weder körperlich noch seelisch, war es doch eine Situation, die sie kannten, und sie sagten, dass sie dort gut gegessen hätten. Ich frage mich tatsächlich, ob sie in Ägypten wirklich gut gegessen hatten oder ob sie es nur romantisierten, weil sie in der Wüste mit dem Unbekannten zu kämpfen hatten. So oder so: Sie hatten gesehen, wie Gott sich auf vielfältige, unglaubliche Weise offenbart hatte, und dennoch verloren sie sich im Chaos des Augenblicks (2. Mose 14–16). Bei uns ist es nicht anders. Sicherlich sehen wir die Zeichen Gottes in unserem Leben, aber in einem Wirbelwind von Emotionen kehren auch wir zur Knechtschaft zurück.

Wenn wir zulassen, dass unsere Gefühle den Moment beherrschen, werden wir niemals Frieden finden. Nicht, weil unsere Gefühle schlecht sind, sondern weil sie uns in die falsche Richtung lenken, wenn wir sie nicht unter Kontrolle haben und in eine gottgefällige Richtung lenken.

Wir geben Seinen Frieden – den Frieden, den Christus uns hinterlassen hat – auf, weil wir vergessen, dass er nur als Nebenprodukt eines Lebens gefunden wird, das IN IHM gelebt wird.

Am wenigsten Frieden habe ich in meinem Leben, wenn ich von den Dingen dieser Welt abgelenkt bin und nicht genug Zeit mit dem Wort Gottes verbracht habe. Das ist die Wahrheit. Wenn ich mich festgefahren und überfordert von der Arbeit und den Bedürfnissen anderer fühle, sodass nichts mehr Freude bereitet und sich alles nur noch wie eine lästige Pflicht anfühlt, bin ich nicht friedlich. Meine Gedanken schweifen in Millionen verschiedene Richtungen, und keine davon ist gut, rein oder edel – und genau darin liegt laut Paulus für die Philipper der Ursprung des Friedens.

In Philipper 4 hat Paulus den Christen in Philippi gerade gesagt, dass sie sich um nichts Sorgen machen müssen … kommt euch das bekannt vor? Denkt an die Verfolgung, welche diese Gemeinde ausgesetzt war. Hier wurden Paulus und Silas wegen der Verkündigung Christi ins Gefängnis geworfen (Apostelgeschichte 16). Es gibt keinen irdischen Frieden für diese Gruppe, aber Paulus sagt: Macht euch keine Sorgen. Macht einfach weiter wie bisher und nehmt euch ein Beispiel an mir. Betet und seid dankbar für alles, was ihr habt … sogar für das Leiden. Und bewahrt eure Gedanken – errichtet geistige Barrieren gegen die Sorgen der Welt – und „der Friede, der alles Verstehen übersteigt“, wird euch vor dem Chaos der Welt schützen.

Dann sagt er ihnen und uns in den Versen 8 und 9 genau, wie sie sich vor der Bosheit ihrer Kultur schützen können:

„Im Übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht! Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut; und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“

Wir finden Frieden, wenn wir über die Dinge Gottes nachdenken UND wenn wir das TUN, was uns in Seinem Wort aufgetragen ist. Jakobus sagt uns, dass wir nicht nur Hörer sein sollen. Wir müssen TUN, sonst täuschen wir uns selbst (Jakobus 1,22). Und wenn wir damit beschäftigt sind, zuzuhören UND zu tun, dann werden wir uns nicht langweilen, und wir werden nicht unzufrieden sein, und wir werden nicht ängstlich sein, und der Gott des Friedens wird mit uns sein. Das ist uns verheißen, wenn wir uns über das Chaos erheben und uns auf Ihn konzentrieren können.

Wir wissen, wie die Geschichte endet – sie endet dort, wo sie begann: an einem Fluss in einem paradiesischen Garten, wo Frieden in seiner vollsten und wahrhaftigsten Form verwirklicht wird. Der Frieden wird vollkommen, so wie auch wir es sein werden, wenn wir durchhalten. Glauben wir daran?

Dann macht weiter! Sammelt geistliche Schätze der Liebe, der Freude und der Geduld. Denkt an das, was wahr und edel ist. Wendet euch regelmäßig mit Dankbarkeit an Gott und vertraut darauf, dass er euch erfüllt. Bringt den ständigen Lärm um euch herum zum Schweigen und konzentriert euch auf Ihn. Wir können an Seinem Frieden festhalten, WENN wir uns dafür entscheiden. Er hat ihn euch hinterlassen; kehrt nicht zur Knechtschaft zurück. Dort gibt es keinen Frieden. Der einzige wahre Frieden findet sich am Ende, wenn wir alle wieder im Garten sein werden und in der Gegenwart des Gottes des Friedens wohnen.


Frieden im Chaos
Lee Carter Translated by Teresa Rothe
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Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat:Basierend auf Johannes 3:16